Orthorexie - Krankhaft gesund?!

Vor einigen Jahren, als ich begann meine Ernährung nach und nach umzustellen: Erst auf vegan, dann zusätzlich auf glutenfrei und schließlich meinen Rohkostanteil auch immer mehr erhöhte, sprach mich mein Arzt eines Tages an und fragte mich ob ich an "Orthorexie" leiden würde.

Ich war etwas perplex, denn damals sagte mir dieser Begriff rein gar nichts. Anorexie = Magersucht ....war mir klar, aber Orthorexie? 

 

Er erklärte es mir in kurzer Ausführung und zu Hause recherchierte ich später noch dazu. Heute möchte ich dir gerne von dem "neuen Krankheitsbild" erzählen, welches eigentlich kein wirkliches ist, und auch in der wissenschaftlichen Medizin nicht anerkannt...und warum es dennoch ein Thema zu sein scheint! 

Orthorexia Nervosa .... mal wieder eine neue Krankheit!

Ich muss dazu gleich vorweg sagen....ich bin kein Fan von der "Erfindung" neuer Krankheiten. Ich finde es gibt schon viel zu viele Erkrankungen und ich persönlich möchte meinen Fokus eher auf die Gesundheit legen (und das auch so an meine Patienten in Praxis und im Online-Coaching weiter geben), statt auf die einzelnen Erkrankungen und die, die man womöglich noch haben könnte. 

 

Dennoch finde ich es interessant deine Meinung, nach diesem Artikel zu hören. Schreib mir gerne unten dein Kommentar dazu. 

 

"Aber was ist denn nun eigentlich genau diese Orthorexie?" fragst du dich vielleicht.

 

Orthorexia nervosa gilt als (vermeintliche) Essstörung, bei der die Person ein krankhaft ausgeprägtes Verlangen hat sich "gesund" zu ernähren. 

 

Als ich das damals las, war es für mich schon verständlich, dass mein Arzt die Vermutung hegte, dass ich unter dieser "Krankheit" litt. 

Orthorexia nervosa, eine andere Art der "Kontrolle über den Körper", anders als bei der Magersucht (Anorexia nervosa), bei der es darum geht nicht zuzunehmen, bzw. eher noch abzunehmen und möglichst wenig bis kaum etwas zu essen, geht es hierbei darum sich möglichst gesund zu ernähren, um sich vor Krankheiten zu schützen.  Im Endeffekt klingt für mich die Orthorexie in dem Sinne aber eher vernünftig als krankhaft....aber es geht noch weiter.

Kriterien für Orthorexie

Folgende Kriterien gelten als Anhaltspunkte:

  1. Die Störung geht über einen längeren Zeitraum

  2. ständig kreisende Gedanken um das Essen

  3. Schuldgefühle, falls vom geplanten Essen abgewichen wird (doch mal etwas ungesundes verzehrt wird, etc...) 

  4. Missionierungseifer, um andere von SEINER Ernährung zu überzeugen

  5. Negative Auswirkungen auf die Lebensqualität, z.B. soziale Isolation

  6. schwere Gesundheitsschäden bis hin zum Tod 

 

Ich habe mir Gedanken um allesamt diese Punkte gemacht. Beim letzten musste ich aber schon ein wenig den Kopf schütteln, denn ich persönlich habe noch nie von dem Fall gehört wo sich jemand wirklich gesund ernähren wollte und sich auch gut informiert hat und auf eine ausgewogene Lebensmittelwahl und gute Nährstoffe geachtet hat und dadurch zu Tode kam. Deshalb finde ich diesen Punkt etwas übertrieben.

 

Zu Punkt 2 und 3 kann ich sagen, dass ich,  dass ich es auch so sehe das diese Punkte eher wenig förderlich für die Gesundheit sind.  Also wenn man sich gesund ernähren möchte, aber sich NUR NOCH einen Kopf um das nächste bevorstehende Essen macht oder gar unter Schuldgefühlen leidet wenn man sich doch mal nicht so optimal ernährt oder eine kleine Genusssünde hat. 
Das sollte nicht sein, denn es ist eine Art von "Stress" und Stress zieht immer ein Gesundheitsdefizit nach sich. 

Ob das jetzt aber ein eigenständiges Krankheitsbild darstellt, sei mal dahingestellt ;) 

 

Ich glaube nur schon das gerade diese beiden, von mir angesprochenen Punkte, wirklich nicht wenig Menschen betreffen. Gerade im Rohkost-Kreisen, bin ich mir sicher das es nicht selten vor kommt.

(Kein) Perfektionismus beim Essen

In Rohkost-Gruppen liest man manchmal davon oder bekommt manchmal Sätze zu hören wie "Das und das ist aber nicht 100% roh!"  oder "Ahornsirup ist auch Zucker und nicht roh"  (wenn es als Zutat in einem Rezept ist welches sonst sehr gute, gesunde und nährstoffreiche Zutaten enthält) . 

Für mich persönlich ist das dogmatisch und ich unterliege nicht diesem Zwang. Auch in letzter Zeit hab ich für mich wieder viel mehr "Druck" raus genommen und esse mit meiner Familie immer öfter eine warme Mahlzeit am Tage (auch wenn ich die Rohkost immer noch liebe und für extrem wertvoll halte!), auch kann es vorkommen das ich ab und an mal ein paar Chips esse oder ein, zwei Portionen Pommes ;) ..ohne mir darum ein schlechtes Gewissen zu machen oder Schuldgefühle zu bekommen.

 

Das war allerdings nicht immer so. Früher hab ich das auch viel enger gesehen und mich teilweise dafür verurteilt, wenn ich mich dann doch nicht so 100% ernährt habe, wie ich das eigentlich vor hatte. 


Und dann hab ich gemerkt: Es ist mein alter Perfektionismus, der sich wie ein roter Faden schon immer durch mein Leben zog und nun auch bei meiner Ernährung kein Halt machte. Gut das mir das bewusst wurde, denn so konnte ich es auflockern und dieses Muster angehen, um nicht wieder in die Perfektionismusfalle zu tappen! 

Vorleben statt missionieren

Was Punkt 4 und Punkt 5 angeht kann ich folgendes sagen: 

Das mit dem Missionieren kenne ich ganz vom Anfang....ich war einfach SO überzeugt von der Rohkost das ich möglichst viele Menschen auch davon überzeugen wollte, insbesondere natürlich meiner Familie. Aber ich habe schnell gemerkt das dieser Schuss nach hinten los geht. Und das es wenn eh nur über ein "vorleben" funktioniert. Außerdem wurde mir auch immer klarer. dass nicht jeder (Ernährungs)Weg für jeden gleich gut ist. 

 

Und was die Auswirkung auf die Lebensqualität angeht. Da kann ich (fast) nur positives berichten. Denn durch meine Umstellung auf vegan und glutenfrei und auch viel Rohkost ging es mir nachhaltig gesundheitlich besser und diese Ernährungsumstellung öffnete mir das Tor zur ganzheitlichen Gesundheit! 

Es wirkt sich enorm auf die Lebensqualität aus, wenn es einem auf einmal wieder gut geht, man mehr Energie hat, glücklich ist sich einfach wohl fühlt. 

Was die soziale Isolation angeht. Es ist nicht immer einfach sich "anders" zu ernähren. Das gebe ich zu. Ich lebe ja in meiner Patch-FOOD-Familie und kenne das daher schon. Auch das war mit ein Grund nicht immer penibel darauf zu achten 100% Rohkost zu essen, sondern auch mit meiner Familie ein warmes Mahl gemeinsam einzunehmen, einfach zu genießen ohne sich Gedanken machen zu müssen ob das jetzt gut ist oder nicht!

Mein Fazit

 

Ich finde Orthorexie sollte kein neues Krankheitsbild werden.

 

Sich gesund und bewusst zu ernähren ist ein absoluter Vorteil für unsere Gesundheit - aber, ich sehe es auch so: es sollte nicht in Stress, Kontrolle oder Zwang ausarten.

 

Meiner Meinung nach ist es wichtig zu lernen auf seine Körperweisheit zu hören. Dann weiß man auch genau, wann einem etwas gut tut (und das nicht nur in Essendingen) und was man wirklich in diesem Moment braucht.

Das geht natürlich nicht über Nacht, es ist ein Prozess, aber dieser kann wirklich Spaß machen. Zu schauen, sich zu beobachten, von sich selbst zu lernen, sich weiterzuentwickeln, sich auch mal Fehler oder Schritte in die falsche Richtung eingestehen, umdrehen können und auch wieder mal etwas neues ausprobieren.

Gesunde Ernährung und gesundes Leben bietet so viele verschiedene Möglichkeiten. 

Mein Tipp: Sei nicht dogmatisch oder denke in Schwarz/Weiß....denn zwischen diesen beiden Tönen liegt eine bunte Wiese voller neuer Möglichkeiten. In der Ernährung, so wie im gesamten Leben!

Jetzt bist du dran!

Hast du schon von der Orthorexie gehört und wie ist deine Meinung dazu? 
Wie siehst und hälst du es mit deiner Ernährung? Ich bin wirklich gespannt auf deinen Kommentar.  Und wenn du diesen Artikel teilenswert findest, dann freue ich mich wahnsinnig wenn du ihn auch verbreitest. DANKE! 

 

 

Stay HAPPY and HEALTHY with lots of RAWfood

Deine Jen 

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Kommentare: 3
  • #1

    Roland Rauch (Donnerstag, 08 Juni 2017 14:28)

    Orthorexia nervosa gilt als (vermeintliche) Essstörung,
    ein krankhaft ausgeprägtes Verlangen hat sich "gesund" zu ernähren.

    Etwas Dümmeres habe ich seid langen nicht gehört!

    Eigentlich sollte es doch das Bestreben eines jeden Menschen sein sich Gesund zu Ernähren.
    "Es wirkt sich enorm auf die Lebensqualität aus, wenn es einem auf einmal wieder gut geht, man mehr Energie hat, glücklich ist sich einfach wohl fühlt." Hier stimme ich Jen voll zu, es ist etwas phantastisches zu sehen daß eine gesunde Ernährung einen fit und Leistungsfähiger macht. Wichtig wäre nur zu Überlegen in was investiere ich die neu gewonnene Energie…

    Ja mit dem Missionieren ist das so eine Sache, hier braucht es viele empathische Fähigkeiten sonst kehrt sich das immer ins Gegenteil um, sozusagen diametral entgegengesetzt, was nicht gut ist.
    Bei mir haben früher Veganer (dann noch Rohköstler) immer das Gegenteil erreicht, weil sie ihre Einstellung zu einer Ersatzreligion gemacht haben und das brauchte ich nicht.
    Deshalb musste ich über Jahre lernen, das doch was richtig gutes daran ist sich Vegan und auch mit Rohkost zu ernähren. Ich muss dazu sagen das ich schon immer die Meinung vertrat, für ein Gutes Gemüsegericht lasse ich jedes Fleischgericht stehen.
    Ich werde trotzdem nicht mich ganz Vegan ernähren und das hat etwas mit meiner Einstellung zur Essen zu tun. Ich bin der Meinung Geschmack muss man wieder lernen und zwar richtigen Geschmack, fern von Geschmacksverstärkern und sonstigen Schrott, wenn man seinen Geschmack wieder umgestellt hat und weiß wie Obst und Gemüse und ja auch Fleisch, wenn richtig gehalten und Ernährt, wirklich schmecken.
    Da bin ich bei dem Punkt essen muss unbedingt sehr gut schmecken, dann ist es immer ein Ereignis gemeinsam zu Essen und wird durch die Gemeinsamkeit nochmals positiv verstärkt.

    Als ich vor Jahren das Buch die Gewürzapotheke von Irene Dalichow las war ich begeistert, was alles mit Gewürzen möglich ist. Seitdem mache ich meine Gewürzmischungen meistens selbst und Koche mich Rund um die Welt. Rohkost ist für mich eine absolute positive Erweiterung meiner Ernährung sowohl Geschmacklich als auch für meine Gesundheit und damit erübrigt sich die Frage ob ich damit weitermache.
    Ich weis auch nicht ob man sich sozial Isoliert, normalerweise nicht.
    Warum soll nicht jeder was anderes Essen können und alle sind glücklich damit.
    Wenn ich jedoch Anfange andere Meinungen nicht zu akzeptieren, auch beim Essen, wer isoliert dann wen????
    Darum Liebe Jen finde ich deinen Schlussgedanken gut auf die eigene Körperweisheit zu hören, aber diese muss erst mal entwickelt werden, das geht am besten wenn ich bei anderen beobachte wie positiv sich das auswirkt.

    Also auch mein Tipp, nicht dogmatisch und nicht Schwarz/Weiß, nicht Roh/Gekocht,
    die Vielfalt muss es sein, schaut rund um die Welt..

    Und noch etwas ich möchte diesen Begriff eigentlich nicht mehr hören: Orthorexia nervosa.
    ad absurdum, das Widersinnige.
    Roland

  • #2

    Jen (Montag, 12 Juni 2017 12:44)

    Lieber Roland, vielen Dank für dein langes, interessantes Feedback.

    Ja ich finde es auch äußerst merkwürdig das wenn sich jemand dauerhaft gesund ernähren möchte quasi als "krank" dargestellt wird.

    Wie beschrieben habe ich selbst ja die Erfahrung gemacht das eine gesunde Ernährung enorm Lebensqualität (zurück) bringen kann!

    und genau das mit der Körperweisheit das muss sich entwickeln...es ist ein Prozess. Und wenn man anfängt sich gesünder zu ernähren...ich glaube das ist der Punkt wo man seiner eigenen Körperweisheit immer näher kommt! Und das öffnet wiederum das Tor dann für auch andere Themen und eben für die Ganzheitlichkeit!!!!

    Toll das mit den Gewürzen und das du so experimentierfreudig da bist und dich nicht beschränkst und es in Roh- und Kochkost einbaust <3

    Viele Grüße, Jen

  • #3

    Silke (Dienstag, 27 Juni 2017 19:21)

    Als ich vor einiger Zeit über diese Krankheit einen Artikel in einer Tageszeitung las, fühlte ich mich gleich ertappt und machte mir Sorgen, denn eigentlich fand ich mich dieser Beschreibung wieder.
    Ich dachte länger darüber nach, und konnte dann aber Punkt für Punkt entkräften, denn mit gesunder Ernährung muss man sich sicher sehr viel intensiver beschäftigen, gerade wenn man seine Ernährung erst vor kurzem umgestellt hat, damit man auch tatsächlich eine schmackhafte und gesunde Mahlzeit auf dem Tisch stehen hat, als wenn man eine Tiefkühlpizza in den Ofen schiebt.

    Über einen längeren Zeitraum geht die "Störung" ja gerade im Idealfall, erst dann hat man ja einen nachhaltigen Nutzen für die Gesundheit.

    Selbstverständlich erzählt man auch gerne Interessierten, welche positiven Erfahrungen man mit einer Ernährungsumstellung machen kann. Über meine Ernährung unterhalte ich mich allerdings nur auf interessierte Nachfrage.

    Ärgern, dass ich etwas gegessen habe, was ich eigentlich nicht wollte und was nicht in mein Konzept passt, tue ich mich schon mal, weil es mir mit meinem Asthma zum Beispiel schlechter geht, wenn ich Brot oder Kuchen gegessen habe.

    Isoliert fühle ich mich nicht, ich esse nur einfach anders als Famile und Bekannte. Ich mache darum kein Aufheben, lasse mir auch niemals extra etwas zubereiten, sondern suche aus was passt. MIttlerweile weiß es jeder, neuen Bekannten sage ich bereits vor einem gemeinsamen Essen, dass ich mich auf meine Weise ernähre, weil es mir dann besser geht. Es wird toleriert, wenn sich auch nicht jeder wohl dabei fühlt, Fleisch, Sahnetorte oder reichhaltige Soßen zu essen, wenn ich nur Obst oder Salat esse, deshalb bringe ich dann auch schonmal etwas mit, was die Anderen auch essen und kennenlernen können.

    Schlecht finde ich, aus dem Wunsch nach gesunder Ernährung eine Krankheit zu machen, da man damit den Weg bereitet, Veganer oder Rohköstler anzugreifen und in eine Schublade zu stecken, auf der draufsteht: "Nicht Normal!"